Siehe: http://lappalie-band.de/beschlagene-spiegel/

Tourende: Der Bus ist leer geräumt und ausgesaugt, die Klamotten riechen nach Kneipe und kaltem Schweiß und die eigenen Gedanken kreisen um die Erlebnisse der letzten zwei Wochen. Auch wenn vieles in den vergangen Blogeinträgen bereits gesagt worden ist, so fehlt noch immer der Bericht vom legendären letzten Abend und ein kleines Fazit (so wie wir es von Hausarbeiten und anderen Schreibanlässen gewohnt sind: Ohne Fazit ist die Sache nicht rund).

Zurück in Berlin und die insgesamt relativ erholsame Hallenser Zeit hinter uns lassend, freuten wir uns sehr darüber, unsere britische Starfotografin Kayleigh wieder in unserem Umfeld begrüßen zu dürfen. Schnell von irgendeiner Bahnhaltestelle abgeholt, ging‘s dann direkt zum Kiki Sol, unserem Bespaßungsort für diesen Abend. Da dieser noch geschlossen war, verbrachten wir die Zeit damit, lecker thailändisch zu essen und im Tourbus zu chillen. Einen Spontanbesuch von Kathi (die schon in Hildesheim mit dabei war) und vielen Kayleigh erzählten Erlebnissen später, öffnete die Kneipe, dessen beliebtester Stammgast Leo ist, dann auch schon ihre Pforten und wir konnten mit dem Aufbau beginnen. Schon beim Soundcheck zeichnete sich ab, dass sehr viele Freund_innen anwesend sein werden und mit fortschreitender Zeit bestätigte sich dies dann auch, sodass zu Konzertbeginn der Großteil des Kikis mit irgendwem von uns bekannten Leuten gefüllt war. Entsprechend wohlgesonnen und begeistert war das Publikum dann auch unmittelbar seit dem ersten Lied der Setliste, die die längste der Tour wurde (sage und schreibe 24 Songs). Ein zweistündiges Konzert sollte folgen, vollgepackt mit allem, was unsere Herzen höher schlugen ließ: tanzende und mitsingende (manchmal: -gröhlende) Menschen, Anekdoten und Scherze der Tour, Whiskey UND Pfeffi auf der Bühne, und natürlich das Highlight: „Nettelbeckplatz“ auf der Bühne des Ortes zu spielen, dem der Song gewidmet ist. Aus Leos Gesicht sprach das pure Glück, als er die ihm dafür gebührende Anerkennung durch den Jubel des Publikums bekam! Ungefähr ab der Mitte des Konzertes fing der große sich hinter der Bühne befindliche Spiegel vor lauter schwitzenden Menschen im Raum langsam zu beschlagen an, sodass bereits bei der ersten von zwei Zugaben kein Bild mehr darin zu erkennen war. Einerseits als Gradmesser für die Stimmung des Konzertes, kann dieser beschlagene Spiegel zudem als Sinnbild für die Tour angesehen werden (die Deutung überlasse ich euch, liebe Leser_innen – strengt mal ein bisschen eure Gehirnwindungen an!) und nicht zuletzt als Hinweis auf das Dunkel des gelebten Augenblicks (hierzu bald mehr, nur so viel vorab: Lest mehr Bloch!). Die Gewissheit darüber, dass mit diesem Konzert die Tour vorbei sein würde, sorgte jedenfalls dafür, alle noch vorhandenen Kraftreserven zu mobilisieren, Verfallserscheinungen unserer zerrockten Körper hintanzustellen und noch einmal alles zu geben! Im Anschluss wurde dann noch gejammt, Pommes gegessen, erzählt und gekickert was das Zeug hält – ein wenig unterbrochen nur durch einen Eimer Wasser, der auf draußen stehende und sich scheinbar zu laut unterhaltende Gäste des Kikis von einem oberen Stockwerk aus gekippt wurde. Gegen 4 Uhr spielten wir dann nochmals ein letztes gemeinsames Lied auf der offenen Bühne (Dire Straits‘ „Romeo und Juliet“), um kurz darauf wieder im Bus zu chillen und irgendwann zu den von Leo und Simis Onkel bereitgestellten Pennplätzen zu gehen. Was für ein grandioser Abend, was für eine saugeile Tour!

Und nun, wo das Tourende bereits einige Tage zurückliegt? Ja, es ist schön, wieder mal im eigenen Bett zu liegen und entspannen zu können. Doch das sentimentale Gefühl darüber, dass diese wunderbare Zeit nun vorbei ist, bleibt bestehen. Der unfassbar aggressive Regen, der jetzt gerade an die Fensterscheiben prescht, wirkt wie die Salven eines Maschinengewehrs, vor denen man sich einfach nur in Sicherheit bringen möchte. Der Weg von der Mensa nach Hause vorhin in genau diesem Unwetter sorgte dafür, diese Drastik zu erzeugen. Ich wurde nass bis auf die Unterwäsche, in den Schuhen ein förmlicher See. Falsche Kleidung für solches Wetter? Kaum abzustreiten! Untermauerung dessen, wie man sich fühlen kann, wenn eine Kette an freudigen Tagen zu Ende geht und abgelöst wird durch alltagsbedingte Tristesse? Definitiv! Zum Glück sind wir unmittelbar nach dem Ankommen in good ol‘ Rostock direkt ins Tonstudio gegangen, wo wir uns momentan und für die nächsten 3 Wochen mal mehr, mal weniger aufhalten werden – so wird eine langsame „Entwöhnung“ voneinander möglich, um wieder in den manchmal so faden Alltag zu finden, der für einige von uns mit viel Stress verbunden sein wird bzw. schon jetzt ist.

Die Kanaillen-Tour hat gezeigt, dass die Lappalie-Rasselbande ein wirklich gutes Team abgibt, das zwar aufpassen muss, aufgrund fehlender Erziehungsoberhäupter nicht in die vollkommene Exzessivität zu versinken, dessen gegenseitige Fürsorglichkeit und Kommunikationsbereitschaft jedoch sehr gut etwaigen Krisen entgegenwirkt! Der Band-Zusammenhalt wurde erheblich gestärkt, wir kennen uns alle von den verschiedensten – und dabei natürlich nicht immer schönsten – Seiten besser und schätzen einander gerade deshalb sehr. Gegenseitiges Herum-Scherzen über kleine Makel und große Lappalien bestätigen diesen Eindruck nur. Denn wie pflegt man zu sagen: Was sich neckt, das liebt sich!

Vielen lieben Dank an all die tollen Menschen, die uns an den verschiedensten Orten umsorgt haben, die die Konzerte organisierten und besuchten und die überhaupt für uns da waren und mit denen wir eine gute Zeit hatten! Ihr seid der Hammer und ohne euch hätten wir wohl nicht halb so viel Spaß gehabt! <3 <3 <3 Gern kommen wir wieder, um mit euch schöne Stunden zu verbringen!

Bevor jetzt weiter aufgenommen und am neuen Album gebastelt wird (Geheiminfo: die Schlagzeug- und Bass- (sozusagen Drum’n’Bass-) Spuren von 5 Titeln sind schon im Kasten!), sollen aber noch ein paar unwichtige Erkenntnisse der Tour in die Weiten des Internets gehauen werden:

1. Bei Fieber sollte zu Ibuprofen immer auch etwas Whiskey getrunken werden.

2. In Orten wo es wenige Einwohner, dafür aber viele Student_innen gibt, ist das Balzverhalten besonders auffällig.

3. Avocados im Tourbus werden zu potentiellen Tretminen.

4. Wenn man sein eigener Busfahrer, Eventmanager, PR-Beauftragter, Tontechniker und Caterer ist, wird eine Tour zum full-time job.

5. Wenn man in einer Brauerei spielt, sollte die uralte Zahlungsmethode der Naturalien dem inflationsanfälligen Geld vorgezogen werden.