Wenn du nachts bei 160 km/h auf der Autobahn zwischen Hannover und Hamburg die bewegende Lebenskrisen-Playliste deines dich navigierenden Bandfreundes hörst, während auf den Rücksitzen selig geschlummert wird und du zu 10-minütigen Postrock-Tracks (mit der Empfehlung, die von dir gerade für gut befundene Band bloß nicht zu hören, da zu häufiges Hören vermeintlich suizidale Gedanken in einem erzeugt) an roten Rücklichtern vorbeirauschst, um rechtzeitig in deiner Heimatstadt anzukommen und nicht zu spät zur lokalen Trashparty zu erscheinen – dann spätestens weißt du: Es ist wunderschön, diese Zeit deines Lebens mit einer so tollen Clique zu teilen.

Der Tag auf dem Platzprojekt Hannover am vergangenen Sonnabend war jedenfalls äußerst impressionsreich. Ein kulturelles Schmankerl der besonderen Art hatte sich uns dort geboten: Diverse D.I.Y.-Stände mit Leckereien, Kunst und Flohmarkt-Krempel, umrahmt von in jeder Hinsicht bunten Menschen, Bars, Bühnen und Chillout-Areas inmitten von aufgewerteten alten Schiffscontainern und zudem ein Backstagebereich mit Blick auf einen beeindruckend großen Skatepark und die waghalsigen Stunts der dort sich präsentierenden Brett- und Trittbrett-Fahrer*innen. Auseinandergerissen allerdings reisten wir an: Was wir von unserem Hallenser Lappalie-Außenposten Simi bereits gewohnt waren, wurde diesmal durch den in diversen anderen Bandprojekten engagierten Torben verstärkt: Mit perfektem Timing kam er gerade rechtzeitig zum Soundcheck an. So kam es, dass für uns restliche drei die Hinfahrt zwar unvollständig war, was das Gruppengefühl anbelangt, dafür aber mit ungewöhnlich viel Platz im sonst immer wieder an seine Belastungsgrenzen stoßenden Power-Clio (man darf gespannt sein, wann wir endlich einen richtigen Tourbus unser Eigen nennen dürfen)! Nach einer Bierverköstigung, einem professionellen Aufbau mit vielen helfenden Händen (und sogar einem extra vorhandenen Artist-Care-Posten), dem langersehnten Mittagessen und einer intensiven Podiumsdiskussion von vor Ort Aktiven, ging unser Konzert dann gegen 17 Uhr los. Trotz regelmäßig wechselndem Laufpublikum und einem unfassbar guten Wetter, schafften wir es durch unseren Auftritt schließlich eine kleine Meute an Interessierten vor unsere Indoor-Bühne zu scharen. Wie bereits die letzten Wochen beim Straßenmusizieren bewiesen hatten, waren es auch hier vor allem zu Beginn die ganz jungen Besucher*innen, die sich begeistert zeigten für unsere Musik. Ihr seid die Zukunft – danke an euch und eure Eltern, dass sie so viel Vertrauen in uns haben, euch nicht zu versauen! Ihr werdet es nicht bereuen! (Und insgeheim hoffen wir natürlich, einer kommenden Generation von kritischen Geistern den frühen Soundtrack zum Widerstand zu liefern!)

Einige der Gesichter vom Platzprojekt Hannover werden wir dann vielleicht schon bald wiedersehen, wenn wir Ende Mai im schönen Göttingen spielen, um unsere best buddies von Trykka bei deren Release-Show zu supporten. Das wird bestimmt ein riesen Fest und unsere Knie schlackern schon jetzt vor Aufregung! Als allernächstes steht aber erstmal der Gig in Hönow an, bei der Walpurgisfeier der dortigen Jugendwerkstatt. Mit dabei sein wird das Akustikduo rund um den sagenumwobenen Asphaltcowboy Sam Whiskey. Eine feine Portion handgemachter Südstaaten-Mucke wird uns da erwarten. Ein kleiner Tipp am Rande für alle Berliner*innen: Hönow ist die Endhaltestelle der U5. Das heißt, ihr könnt euch mal aus eurer Kiezblase hinausbewegen und braucht dafür nicht einmal Taxi fahren oder euch eine Mitfahrgelegenheit suchen! Wir sind ja stets bemüht, unseren Fans die Anfahrt zu erleichtern.

 

Noch kurz zu dem, was in den letzten Wochen und Monaten so bei uns abging. Im Februar waren Leo und Henning im NDR zu sehen: Das Solidaritätskonzert für angeklagte Aktivist*innen in Schwerin wurde kurzerhand beim lokal allseits bekannten Nordmagazin gezeigt. Ende März ging es dann in Schwerin weiter und wir durften das Komplex bespaßen – ein Ort, an dem einige von uns vor vielen Jahren (und in anderen Bandkonstellationen) schon einmal zusammentrafen, als es Lappalie noch gar nicht gab. Diesmal gestaltete „Yuppiescheuche“ aus Cottbus das Vorprogramm und wir freuten uns, dass trotz des Feine Sahne-Tourfinales am gleichen Abend in Rostock es doch einige Menschen eher zu unserem Konzert zog! Drumherum kam es zu ungeahnten Kicker-Duellen und neu eingeführten Putzregeln, Wiedersehen mit guten Bekannten, einigen politischen Gesprächen, einem äußerst leckeren selfmade-catering und dem Austesten der Vor- und Nachteile von Doppelstockbetten. Einen Tag später dann konnten wir uns zum ersten Mal als Hochzeitskapelle beweisen. Hennings alter Kumpel Fabi (dem wir übrigens eine äußerst liebevolle Albumrezension zu verdanken haben!) war vor lauter Begeisterung kaum noch zu halten und wir erlebten eine Tanzfreude unter den Hochzeitsgästen, wie sie wohl nicht mal eine irische Hochzeit toppen kann! Kaum erholt von diesem Wochenende, ging es dann am Karfreitag schon weiter in Rostock und wir teilten im Stadtpalast die Bühne mit „MadRah“, einer ziemlich geilen Psychedelic-Rock-Band. Abgesegnet von Jesus höchstpersönlich, gingen uns nicht einmal die Behörden an dem Abend auf die Nerven, sodass das gesetzliche Tanzverbot kurzerhand ignoriert und weggetanzt wurde. Was es für uns mit der Gretchenfrage auf sich hat? – werdet ihr nun vielleicht einwenden. Nur so viel: Wir sind nicht sonderlich religiös…

 

Nebenbei wurde vor kurzem die BLM-Siebdruckwerkstatt eingeweiht und ihr dürft deshalb gespannt sein auf unseren baldigen Merchandise! Einige werden es zudem bereits entdeckt und ausgekostet haben: Wir sind nach einigen Diskussionen nun doch auf Spotify zu finden. Hört gern rein, wenn ihr ein Konto habt! Falls nicht: auch gut – Bandcamp oder das oldschoolige Anhören der hoch-materiellen CD sind weiterhin Optionen. Ansonsten laufen momentan die Planungen für unser erstes eigenes Musikvideo auf Hochtouren und ich kann euch sagen: Drehbuch-Schreiben ist kein Pappenstiel! Dank viel kreativer Unterstützung ist aber auch das alles machbar. Wir kochen ja auch nur mit Wasser, nich?! Wer von euch schon immer einmal im Rampenlicht stehen wollte und sich hierdurch gerade angesprochen fühlt, kann sich gern auf eine der vielen zu besetzenden Rollen als Schauspieler*in bei uns bewerben. Wobei „bewerben“ viel zu selektiv klingt: Wir nehmen prinzipiell jede*n! Ready, steady, GO!

Bis bald, ihr Hasen!
Euer Marv