Kanaillen-Tour 2017, Logbuch-Eintrag Nr. 7

Von Abschiedsgefühlen, Kindheitserinnerungen und diversen Dummheiten (Teil 1)

Siehe: www.lappalie-band.de/von-abschiedsgefuehlen-kindheitserinnerungen-und-diversen-dummheiten-(teil-1)

Das letzte Konzert der Tour rückt näher und zu der körperlichen Schwere und Ausgelaugtheit gesellt sich nach und nach die sich langsam anschleichende Vorahnung, dass diese unfassbar schöne Zeit bald vorbei sein wird. Wir werden deshalb mittlerweile ganz sentimental bei dem Gedanken an den bevorstehenden grauen Alltag, der uns alle mehr oder weniger erwartet, wenn wir wieder zuhause sind. Denn so sehr wir uns alle auch so manches Mal auf unser eigenes Bett in unseren heimischen WGs freuten, eines taten wir auf den verschiedensten Stationen der Tour ganz bestimmt nicht: Ankommen. Obwohl wir uns überall rundum wohl und sehr gut aufgehoben fühlten (und das ist wirklich keine Pauschalisierung, sondern eine schlichte Tatsache!), waren alle Besuche nur kurz und es bestand kaum Zeit, einen Ort und seine Bewohner_innen so richtig kennenzulernen (sofern wir diese nicht schon vorher kannten). Das Abschiednehmen war und ist dementsprechend immer äußerst schwer. Aber um hier nicht in depressiv anmutende Stimmungen zu verfallen, soll noch einmal der Versuch unternommen werden, die letzten Tage zu rekonstruieren, bevor morgen unser letztes Konzert ansteht.

Während des Abtippens dieser Zeilen befinden wir uns im schönen Halle und genießen den freien Tag, indem wir uns in Simis WG aufhalten und in komatöser Verfassung vor uns hin-vegetieren – kaum dazu in der Lage, ein Gespräch zu führen, das mehr als drei Sätze umfasst. Dabei startete der Tag in gewohnter Manier mit einem reichhaltigen Frühstück, das unsere unausgeschlafenen Seelen auf ein Level an Fitness hievte, mit dem umzugehen zunächst klappte, dessen Wirkung allerdings leider nicht lang anhielt. Mama Mahns – extra für das gestrige Konzert über 300 km angereist! – lud uns heute Morgen zum Brunch ein, was uns alle sehr freute! Ein nettes Beisammen-Sitzen und Plaudern in einem lockeren und vertrauten Ambiente, gespickt mit Anekdoten und Abenteuergeschichten des kleinen Torbens (aus der Kindheit erzählt von Mama Mahns, von jetzt erzählt von irgendwem von uns). Vielen Dank dafür und liebe Grüße! Ab morgen ist dann auch gleich Kayleigh, die weitere Erziehungsberechtigte der Lappalie-Krabbelgruppe, am Start. Wir freuen uns schon – auch, wenn sich in den letzten Tagen, an denen wir auf uns allein gestellt waren, gezeigt hat, dass autoritätsbefreite Kinder wie wir gut klarkommen, wenn sie sich in so kreativen und traumhaften Umgebungen aufhalten können.

Nach einer knapp zweistündigen Autofahrt, erreichten wir gestern dann das „Brohmers“, eine sehr sympathische gutbürgerliche Musikbar, mit viel Charme und Detailverliebtheit (z.B. Toiletten, die ganz im Narnia-Stil über Schranktüren zu erreichen sind). Als Einstimmung auf das Konzert spielte Jan Grünfeld, ein heiterer Zeitgenosse und Freund von Simi, der sogleich eingeladen wurde, die Songs mitzuspielen. So durften alle anderen aus der Band ihn auch mal von vor der Bühne aus beobachten, statt – wie sonst – seinen Trommelkünsten aus nächster Nähe beim gemeinsamen Musizieren beizuwohnen. Einige bekannte Gesichter zeigten sich dann bei unserem Konzert im Publikum und zuvor wurde noch schnell der mittlerweile dritte Geburtstag auf der Tour von uns besungen. Die Gespräche im Anschluss des Auftrittes waren dann u.a. bestimmt von in der Kindheit gebauten Baum- und Erdhöhlen, prinzipiellen Unterschieden zwischen Stadt- und Landleben, den Vor- und Nachteile einer fernsehfreien Kindheit oder auch von Großeltern und deren äußerst pragmatischen Beziehungsmodellen (die trotz Pragmatismus glücklich genannt werden dürften – so der Konsens).

Der Quasi-Band-Papa Henning gewährte seinen Kleinen Ausgang und legte sich selbst lieber Schlafen, anstatt mit durch die Stadt zu ziehen und einen Ort zum Tanzen und Beisammensein mit den Hallenser Bekanntschaften zu finden. Die Konsequenzen davon waren mitunter sogleich zu spüren, z.B. bei dem Beinahe-Sturz beim Mitfahren auf einem Fahrrad-Gepäckträger (für Dummheiten sind wir immer zu haben, das wisst ihr sicherlich). Da die Suche nach Absack-Locations erfolglos blieb, beschäftigen wir uns stattdessen mit Pommes-Essen (samt Versuchen darüber, eine Rangliste aufzustellen mit den besten Pommes der Tour) und A capella-Konzerten vor auf der Straße kennengelernten und zunächst darüber ungläubigen Zuhörern, ob wir denn wirklich eine Band seien („Ihr heißt bestimmt die ‚Mangosaftbrüder‘!“), die dann aber doch voller Begeisterung über unsere engelsgleichen Stimmen Zugaben einforderten.

Aufgrund fehlender Zeit und des Wunsches, heute noch ins Kino zu gehen, fällt der diesmalige Bericht verkürzt aus und endet hier. Hildesheim und Berlin, also die zwei Tage zuvor, werden dann erst morgen oder aber im Abschlussblog beschrieben. Es bleibt also spannend! Was haben die Überlebenskünstler von Lappalie wohl noch alles erlebt? Konnten sie sich besser dem Wagenplatz-Dasein oder doch eher dem urbanen Gedränge anpassen? Welche Gefahren lauerten ihnen und wie schafften sie es trotz der umgreifenden Trägheit, sie zu überstehen? Bleibt auf dem Laufenden und haltet euch bereit, wenn es wieder heißt: Kanaillen on the road – vom Bandbus zur Straße und zurück …