Kanaillen-Tour 2017, Logbuch-Eintrag Nr. 8

Von Abschiedsgefühlen, Kindheitserinnerungen und diversen Dummheiten (Teil 2)

Siehe: www.lappalie-band.de/von-abschiedsgefuehlen-kindheitserinnerungen-und-diversen-dummheiten-(teil-2)

Während wir nun auf dem Weg nach Berlin sind, soll von den letzten Stationen vor Halle noch kurz berichtet und damit der gestrige Eintrag fortgesetzt werden. Fortgesetzt wurde gestern Abend jedenfalls – nach dem kleinen Kuchen-Intermezzo in der WG von Peter, Toni, Elli und Ina mit einer sehr beeindruckenden Poi-Show durch Peter – auch unsere Nicht-in-Clubs-Reingelassen-Werden-Strähne, denn wie auch schon vorgestern ins Hühnermanhattan, kamen wir gestern nicht ins VL, wo wir uns doch so gern die Band „Pisse“ angesehen hätten. Halle, was ist eigentlich los mit dir? Da sind wir ausnahmsweise mal bei dir (Stichwort: „Aber scheiß drauf! Halle ist nur einmal im Jahr!“) und dann sowas! Man munkelt noch, ob das irgendwas mit Karma zu tun haben könnte… Als Ersatz fanden wir dann wenigstens noch eine Kneipe, wo wir ein kleines Absacker-Bierchen tranken und es zu einem Beinahe-Clash mit HFC-Fans kam. Aber zum Glück sind wir ja keine Fußball-Dudes, denn sonst hätte der Typ durch die Info, dass wir aus Rostock sind, wohl mit großer Sicherheit seine gröhlenden Freunde auf uns gehetzt. Ohne noch einen Zwischenstop in der Spielothek zu machen und die Gage zu verzocken – die Vernunft schleicht sich dann doch ab und an zu uns ein – gingen wir zurück in unser selbstgebautes Nest (was man vielleicht eher als Höhle bezeichnen könnte) in Simis WG und führten intensive Diskussionen über Veganismus, bei der sich teils verhärtete Fronten auftaten (ähnlich der verhärteten Front zur Frage, ob ein Iro lieber aufgestellt oder platt wie ’ne Flunder liegen sollte. Was von beidem gaaaanz eindeutig besser ist, brauche ich euch, liebe Freunde natürlich nicht zu sagen. Ich mach’s trotzdem: Ersteres!), die jedoch aufgrund unserer hohen Toleranz und Argumentationsbereitschaft keinesfalls für ernsthafte Bosheiten sorgten. So, und nun zu den beiden Tagen zwischen Witzenhausen und Halle.

Ohne zu wissen, was genau uns in Hildesheim erwarten wird und lediglich mit einigen pikanten Infos zum geplanten Wagenplatz-Fest im Bewusstsein, erreichten wir am späten Nachmittag die Wilde Hilde, wie dieser Ort genannt wird. Wir freuten uns sehr, sogleich Carla, Theo, Nils und die vielen anderen netten Gesichter begrüßen zu dürfen, die dort entweder wohnten oder zu Besuch waren. Eine leckere Kartoffelsuppe und eine kleine Führung über den Platz steigerten unsere Vorfreude auf den Abend enorm. Nicht nur der Kickertisch, die Außenbadewannen, die vielen wirklich schönen Bauwägen oder der Zwillen-Schießstand trugen dazu bei: Die Tour hatte bis dato bewirkt, die Auswirkungen des Hungers auf unsere Gemüter feststellen zu können und wie sich zeigte, war, sobald die Mägen leer wurden, die Anpamp- und Grummel-Bereitschaft meistens auf dem höchsten Niveau. Dank der guten Essensversorgung vor Ort wurde dem aber glücklicherweise entgegengewirkt und so konnten wir friedvoll aufbauen, sound-checken und Setlists schreiben. Da wir die erste von drei Bands waren, hatten wir zudem das Privileg, nach getaner „Arbeit“ in aller Ruhe (aber mit großer Pogofreude) den musikalischen Darbietungen von „Deutsche laichen“ und „Tygermob“ zu fröhnen. Nicht nur musikalisch, auch textlich bot sich dabei einiges dar: Von catchy feministischen Leitsprüchen („If you’ll break my heart, I’ll break your legs!“) bishin zu Vertonungen von Brecht-, Villon- u.a. Texten – ein buntes Potpourri an stilvoller Unterhaltung. Ohne ein Ende finden zu können (und wollen!), setzte sich das Mucken am Lagerfreuer bis spät in die Nacht fort, garniert mit vielen netten Gesprächen drumherum, einer Kicker-Session, einigen Treffern des gepanzerten Hampelmannes durch die Zwillen, dem Genuss der Badewannen und vielen Bieren. Geübt wie wir mittlerweile sind, ließ sich als Bilanz des Abends beim Blick auf die Getränkestrichliste nach einer nur für einige erholsamen Nacht und dem Frühstück eine klare Spitzenreiterposition feststellen: Mit 55 Bieren (und hier nur 4 von 5 trinkenden Bandmitgliedern) lagen wir weit vor allen anderen. Ob man darauf stolz sein kann oder nicht, dürft ihr beurteilen! Die Abreise von diesem in jeglicher Hinsicht tollen Ort fiel uns entsprechend schwer – und das nicht nur, weil Simi sich in einem Jackass-würdigen Trampolinsprung beide Beine aufschürfte. Vielen Dank an alle, die diesen Freiraum inmitten einer von Zwängen und Unfreiheiten bestimmten Welt ermöglichen!

Die nächste Adresse für uns war Berlin. Da wir uns jedoch erst spät losreißen konnten in Hildesheim und uns bei der Länge der zu fahrenden Strecke verschätzten, kamen wir dort erst gegen 20 Uhr an und verbrachten die meiste Zeit des Tages auf der Autobahn und irgendwelchen viel zu vollen Rastplätzen. In Berlin angekommen, fand der Power-Transit dann zu seiner Heimat zurück: dem Parkplatz vor Tims Chaos-Erotik-WG. Dort begrüßten uns auch gleich einige der darin wohnenden Menschen mit Plätzchen, die aussahen wie Geschlechtsteile, um gemeinsam mit uns zum Konzert der legendären Erotikrock-Band „Launce“ zu fahren, dessen Bassmann Tim ist. Nach der wirklich guten Vorband „Better safe than sorry“, einem äußerst hippiesken Sitzkreis inmitten einer Verkehrsinsel und einigen wirklich ekelerregenden Stößen aus dem Pupsspray von Phil, durften wir dann Zeugen eines der besten Konzerte der Tour werden. Launce schaffte es, die Leute in diesem viel zu kleinen Konzertraum völlig zum Ausrasten zu bringen und wir erlebten den wohl erotischsten und schillerndster Pogomob überhaupt, verbunden mit vor Seifenblasen schmierigen Gesichtern, halbnackten Robotern und Feen und Konfetti, dass aufgrund des sich darüber aufregenden Barbetreibers, von der Band selbst nach dem Konzert weggefegt werden musste. Auf dem Rückweg in die WG wurde noch schnell gegessen, kurz zwischengestoppt in einer Kneipe, um mit den Launcern anzustoßen, und in der U-Bahn ein nicht zu unterschätzendes A capella-Ständchen des Songs „In the jungle“ gegeben. Was für ein Abend!

Heute Abend dann wieder Berlin. Frischgemacht sind wir, bereit zum Abriss und bereit, mit unseren Freund_innen, die Tour ausklingen zu lassen und die letzten Pfeffi-Reserven zu vernichten. Wir haben tierisch Bock!